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Ein großes Werk der späten 60er
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Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Tommy (Gesamtaufnahme, engl.) (Audio CD) An sich ist "The Who" nicht ganz so mein Fall, schon deshalb, weil ich als Musiker nicht nachvollziehen kann, warum man ständig seine Instrumente zerstört - das werde ich wohl nie begreifen. Aber natürlich war The Who eine ungemein wichtige Band, die viele Impulse gab und so entschloss ich mich, mir mal Tommy zu besorgen. Zu meinem Erstaunen kannte ich eigentlich doch jeden Takt dieser Musik, obwohl ich die Platte nie besessen hatte. Für mich ein Zeichen, was für ein Klassiker dieses Album ist.
Das Album ist wirklich bahnbrechend: Schon alleine die Tatsache, dass es ein Konzeptalbum ist, quasi eine Rock Oper (wobei man da den Begriff Oper schon sehr weit fassen muss) macht es für seine Zeit außergewöhnlich. Die Texte sind großartig: Sie sprechen nichts klar aus und dennoch sagen sie alles. Die Story ist zutiefst berührend und durchaus nahvollziehbar. Sigmund Freud hätte wohl seine Freude daran gehabt (man denke nur an den Fall der Anna O.): Ein Kind, das durch ein traumatisches Erlebnis taub, stumm und bild wird, aber das geheilt werden kann - der zerbrechende Spiegel als Symbol für eine psychoanalytische Aufarbeitung?
Der Sound ist natürlich den späten 60er Jahren entsprechend, der Mix ist trocken, fast könnte man sagen "gnadenlos", das Schlagzeug weit weg, die Plektrongeräusche der Gitarre oft fast lauter als die klingenden Saiten. Und der Gesang ist oft ein Hochstemmen in eigentlich nicht vorhandene Höhen. Aber dadurch ist dieser Gesang auch gleichzeitig so berührend, denn Daltrey und wohl oft auch Townshend (ich bin da leider kein Who Speziallist, um das im Detail raushören zu können) singen (oder sollte man teilweise zumindest auch sagen: schreien) sich die Seele aus dem Leib.
Das ist keine Musik für Nebenbei, keine Sounds zum Genießen, nichts zum Tanzen, .... das ist einfach Kunst, der man genau zuhören muss, am besten mit dem Textbuch in der Hand. Man muss sie als Dokument der später 60er Jahre sehen, so wie man viel Kunst eben nur im historischen Kontext sehen oder erleben kann. Aber wenn man sich auf dieses Werk einlässt, dann kann man auch wirklich etwas Großes erleben.
Ich werde dieses Album vermutlich nicht oft anhören, aber wenn ich es tue, dann wird meine ganze Aufmerksamkeit vorhanden sein. Unbestreitbar ist ohnedies, dass es sich bei den vier Musikern um Meister ihres Faches handelte: Der exzentrische Moon am Schlagzeug, ein wahrer Wirbelwind in seinen schnellen Läufen, der einen oft hektischen aber auch einen unverkennbaren Stil hat, Townshend, der hier viel mehr auf der akustischen Gitarre spielt, als man vielleicht als nicht eingefleischter Who Hörer erwartet - aber er kann das, was er macht, wirklich. Entwistle war ohnehin ein ganz besonderer Bassist mit einem eigenen Stil und spielt hier sogar noch die Horn Passagen - und Daltrey, der Sänger: Er passt einfach zu Tommy.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 16. Oktober 2007 | | |
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